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Fallen

Abstand schaffen...Zurück

Fallen und Rollen

Im Ninjutsu-Training in Heilbronn gibt ein Sprichwort: „Ich weiß nicht, ob Ihr jemals Kämpfen müsst! Ich hoffe nicht! Doch der nächste Winter kommt bestimmt und somit die Gefahr, dass man mal hinfällt!“

Einer Vielzahl von Menschen passiert es jedes Jahr: Man rutscht aus, fällt nach hinten, verletzt sich den Arm oder Schulter. Oder man Stolpert, fällt nach Vorne, schlägt sich die Knie auf, verletzt sich die Hände oder fällt gar aufs Gesicht. Gänge zum Arzt, Schmerzen, Krankenhaus sind die Folgen.

Das Erstaunliche an Verletzungen durch Stürze ist, dass viele Verletzungen eigentlich nicht vom Sturz selbst herrühren, sondern von der Reaktion der betroffenen Person auf das Ereignis Sturz. Meist versuchen sich die Menschen aus Angst irgendwie mit den Händen abzufangen oder fallen Rückwärts auf die Ellbogen. Die häufigsten Verletzungen, die bereits bei einfachen Stürzen wie der Sturz nach Vorne oder Hinten beim Ausrutschen auftreten, sind Frakturen des Handgelenkes, eines Unterarmknochens, Beschädigungen der Muskeln der Schulterrotatoren (Anrisse, komplette Abrisse) oder gar Verletzungen des AC-Gelenkes (Acromio-Clavicular Gelenk), oft auch Platzwunden am Kopf oder Gehirn-Erschütterungen.

Viele dieser Verletzungen liessen sich durch korrektes Abrollen vermeiden. Dabei unterscheidet sich korrektes Abrollen (wie es im Ninjutsu definiert wird) wesentlich vom Rollen, wie es im Schul- und Vereinssport beim Bodenturnen gelehrt wird.

Falsch! So sind Verletzungen der Schulter vorprogrammiert!

Falsch! Handgelenk und Schulter in Gefahr!

Auch hier sind die Handgelenke und auch die Finger in Gefahr.

Korrekt! Die Energie wird beim Rückwärtsfallen über den Hintern, Rücken und Schulter verteilt und in die Rolle genommen. Hände haben keinen Kontakt zum Boden, Kinn auf der Brust. So kann der Kopf nicht nach Hinten peitschen.

Korrekt! Der Arm leitet so den Körper in die Rolle. Diese Position wird vor allem dann eingenommen, wenn es schnell gehen muss (z.B. Rolle aus dem Laufen heraus).

Jan zeigt, wie es richtig geht: Arme gebeugt, Hände zueinander gedreht.

Umsetzung in der Realität...

Die wesentlichen Punkte:

  • Kopf und Nacken haben keinen Kontakt zum Boden
  • Die Hände werden eingedreht (Finger zueinander)
  • Die Arme bleiben abgewinkelt
  • Kopf auf die Seite, über eine Schulter abrollen
  • Kein „Abschlagen“, sondern sofort wieder auf die Beine kommen
  • Hände, Arme und Ellbogen werden niemals zum Abfangen von Stürzen benutzt.

Rollen lernen:

Prinzipiell kann jeder (sollte jeder...) Rollen und Fallen lernen. Anfänger lernen im Ninjutsu das Rollen im Zeitlupentempo. Tief in die Hocke gehen und langsam nach vorne kullern. Der Trainer führt evtl. gibt Tipps. Später geht es schneller. Aber immer aus der Hocke. Vergessen Sie die spektakulären Rollen, die Sie im letzten Action-Thriller gesehen haben. Die werden auf Matten ausgeführt. Hier geht es darum, die Rolle später mal auf Asphalt etc. ausführen zu können. „Eine leise Rolle, ist eine sichere Rolle“ ist ein weiteres berühmtes Zitat von Trainer Thomas Wahl. Dies hat nicht einmal den Grund, dass der Gegner einen nicht hören soll. Hört man im Training auf den Matten einen dumpfen leisen Schlag, ist das dort kein Problem. Auf der Strasse könnte das eine Verletzung bedeuten. Also elegant und leise!

Fortgeschrittene Schüler werden dann mit Hindernissen und Kombinationen von Rollen konfrontiert. Sie rollen aus dem Laufen, Rennen, aus normaler Körperhaltung und –Höhe. Manchmal müssen sie auch mit einem Gegenstand z.B. Holzstock in der Hand rollen. Die Hände werden dabei niemals zum Abfangen noch zum Aufstehen benutzt. Zum Abfangen nicht, damit man sich nicht verletzt, zum Aufstehen nicht, da die Hände im Kampf bereit für Verteidigung und Angriff sein müssen. Manchmal wird dem Übenden dabei auch ein Kissen oder ein weicher Ball zugeworfen, der dann gefangen oder weg geschlagen werden muss. Das Ziel der Übung ist, dass der Schüler während der Rolle seine Umgebung weiterhin aktiv wahrnimmt.

Das Kinn kommt grundsätzlich auf Brust. Das verhindert gerade bei Rückwärtsrollen, dass der Kopf nach Hinten durchpeitscht und man sich den Hinterkopf auf dem Boden anschlägt.

Im Ninjutsu unterscheidet man 9 verschiedene Rolltechniken in alle Raumrichtungen. Diese werden in fast jedem Training kurz durchgearbeitet und sind Teil des Aufwärmtrainings.

Sinn und Zweck von Fallen und Rollen:

  • Angst vor dem Fallen verlieren: Man lernt über Hintern, Rücken und Schultern die Energie abzubauen. Der Boden ist dem Ninjutsu-Schüler nicht fremd, es ist nur ein anderer Ort, an dem ein Kampf geführt werden kann. So werden Verletzungen vermieden.
  • Zeit auf dem Boden minimieren: in einer realen Situation ist der Verteidiger am Boden im Nachteil. Deshalb lernt der Ninjutsu-Schüler durch Abrollen sofort wieder auf die Beine zu kommen.
  • Distanz schaffen, Ausweichen: Wird der Ninjutsu-Schüler überrascht, kann er durch eine Rolle ohne Probleme 3-4 Meter Distanz zu seinem Gegner schaffen. Dies gibt ihm etwas Zeit, die Situation einzuschätzen, evtl. die Flucht zu ergreifen oder einen Gegenangriff zu starten, evtl. eine Waffe einzusetzen.
  • Kleines Ziel, bewegliches Ziel: Kommen Schusswaffen ins Spiel steigen die Überlebens-Chancen.

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